Nachdem wir die üblichen organisatorischen Fragengeklärt hatten, konnten wir uns mit unseren beiden kompetenten Führungsbegleitern Frau Dr. Rochanzamir (deutschsprachig) und Herrn Padilla (französischsprachig) auf das Aufregende und Ungewöhnliche einlassen. Der alte Museumsabschnitt wird durch einen Erd-Tunnel (mit der Lichtinstallation: “Kaa, die Schlange“ von der Künstlerin Barbara Trautmann)mit dem neuen auf dem Berg thronenden ARP- Museum verbunden, das entweder„erstiegen“ oder mit einem herrlichen Fahrstuhl-Erlebnis „erfahren“ wird. Im sogenannten Zwischendeck schauten wir vorher noch in das ehemalige Atelier, in die Bildhauerwerkstatt von Johannes Brus hinein, das hier originell im Original wieder aufgebaut wurde. Seine vielen zum Teil übermannsgroße Skulpturen aus Gips und Beton füllen den hellen, halligen, idealen Künstlerarbeitsraum, der ab hier schon zum neuen Museum gehört. Auf der ersten Plattform des eigentlichen Ausstellungshauses begrüßten uns großformatige Leinwandbilder des Malers Anselm Kiefer: schwarz- weiße Collagen von Holzschnittportraits als Teil des Projekts :“Wege der Weltweisheit“. Besonders beeindruckend die bleierne Betteninstallation mit dem Titel: „Die Frauen der Revolution“ und im Kabinett das riesige Leinwandbild mit dem dargestellten Heuschrecken-Schwarm. In „Ligne Maginot“, einem sehr selten zu sehenden Werk in einer unteren Zwischenebene des Museums kamen wir der Philosophie Anselm Kiefers sehr nahe. Und dann konnten die Teilnehmer, nachdem einige meinen Vortrag vom 23.Mai dieses Jahres noch in Erinnerung hatten, die wichtigsten Exponate aus den verschiedenen Phasen (Dadaist, Surrealist, Maler, Dichter, Bildhauer, Philosoph, Mensch) im Leben von Hans/Jean ARP (1887 bis 1966) bestaunen. Ob es die ersten Aktstudien und Ölbilder waren, die Holzschnitte oder –Holzreliefs mit Nabel, Eierschläger und Schnurrbart, die „Papiers déchirés“ die geworfenen Zufalls-Papierbilder bis hin zu seinen geometrischen Werken, ob Beispiele seiner Konstellationen oder Konfigurationen bis hin zu den hier leider nur wenig vertretenen und ausgesuchten Plastiken und Skulpturen(„Großer Schalenbaum“, “Menschliche Konkretion auf ovaler Schale“,„Waldräder“) - es war alles ansatzweise vertreten und diente uns als eineEinführung, wie ein „Schnupperkurs“, in das so reiche Schaffen dieses Künstlers. Das neue in die Natur, in die liebliche Rheinlandschaft hinein „gepflanzte“ Museum kam bei den Teilnehmern der Kölner DFG- Kunstreise sehr gut an. „Ich bin in der Natur geboren...“ verrät uns Jean ARP in einem seiner besten Gedichte aus der Dada-Periode: „Strassburgkonfiguration“. Dieser Ausstellungsort für seine Kunstwerke hätte ihm mit Sicherheit sehr gutgefallen.

Ingeborg Thistle