Florian Zeller (28) ist mittlerweile nicht mehr ein in Paris aufgehender sondern ein dort strah-lener Stern, seit einiger Zeit auch von der Medienmaschine getrieben. Talent und Potenzial sind in der Tat beeindruckend, aber was nimmt dies Wunder: seit 2002 wurden 3 von 4 Ro-manen preisgekrönt (Hachette, Monaco, Interallié).  Drei Theaterstücke sind erfolgreich erschienen.

Das Stück „Der Andere“ hätte vor 185 Jahren „Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ geheißen. Das dominante Lebensmerkmal ist Illusion: sie macht aus Realität Surrealität,  führt hier zu blankem Wahn, dort stimmungswankend zu krassen Widersprüchen, die im Stück sehr witzig und gezielt konstruiert sind. Die Sprache ist reich, mit zeitgenössischem Duktus, ironisch, spritzig fließend, dramatisch wallend und reicht bis zum dürren Staccato, bizarr synkopiert. Die Szenengestaltung, in der Autor und Regisseur eine wunderbare Einheit bilden, ist deutlich vom Film beeinflusst. Immer wieder wird Blendentechnik einge-setzt mit Einblendungen und Rückblenden für Erinnerungen, Vorstellungen, Fantasien. Traumähnlich werden chronologische Folgen in Gleichzeitigkeit komprimiert. Das Publikum dankte mit langem Applaus.

Nach dem Stück saßen wir mit Stefan Krause und den Schauspielern Marion Mainka und Volker Lippmann im Gespräch zusammen. Zunächst begann es ein wenig spröde, aber dann lockerte der Wein die Zunge beiderseits und die lebhafte Unterhaltung gab dem Abend einen freundschaftlichen und humorvollen Ausklang.

Es gab auch einen besonderen Gast an diesem Abend: Béatrice Rauwel, Geschäftsführerin der ACLE, Lille war zu Besuch und so begeistert wie die Kölner.

Haye Roth