Dabei war der Einzug der französischen Truppen am 06.10.1794 in Köln alles andere als verheißungsvoll. Denn die sogenannte Befreiungsarmee sah erbärmlich aus. Die französischen Soldaten hatten keine Schuhe, keine Strümpfe, zerrissene Beinkleider und Röcke, die wegen der vielen Risse kaum noch aneinanderhingen. Aber sie brachten ein Gedankengut mit, das, wie gesagt, alles umkrempelte. Abgesehen davon, dass die Häuser mit Hausnummern versehen wurden, was sicherlich in diesem Zusammenhang eine Petitesse ist, führten sie eine neue Bürgermeisterverfassung und Gemeindeordnung ein, die sich über viele Jahre hindurch bewährten. Es wurden neue Institutionen gegründet, wie die Kölner Industrie- und Handelskammer, und andere, ältere, wie die Kölner Börse, neu organisiert. Wichtig war das sogenannte Emanzipationsdekret, das die Gleichstellung der Juden mit den Christen regelte. Es wurden einheitliche Maße und Gewichte eingeführt und das "rheinische Münzgewirr" hatte sein Ende. Ihr Ende fanden auch die alten Feudalrechte, wie die Zahlung des Zehnten an geistliche Institutionen. Der gesamte kirchliche Besitz wurde säkularisiert. Auch das Gerichtswesen und das Unterrichtswesen fanden neue Organisationsformen. Bezieht man diesen Einfluss auf einzelne wirtschaftliche Branchen, so profitierten von dieser Entwicklung die Weinwirtschaft, die Textilwirtschaft, die Papierwirtschaft und die Glasindustrie in besonderem Maße.

Indessen ist der Einfluss Frankreichs auf den niederrheinisch-kölnischen Raum und seine Wirtschaftsgeschichte ein schon viel älterer. Nicht falsch ist die Vermutung, dass es solche Einflüsse schon immer gab, seitdem es beide Wirtschaftsräume gibt: den französischen und den niederrheinisch-kölnischen. Aber die wirtschaftlichen Berührungen vollzogen sich in Schüben, waren also mal mehr und mal weniger stark. Stark waren sie dann, wenn politische, religiöse, wirtschaftliche oder natürliche Gründe vorlagen, die Teile der Bevölkerung Frankreichs veranlassten, ihr Land zu verlassen und ihr Glück in der Fremde zu suchen. Regelmäßig waren diese Zuwanderungswellen aus Frankreich ein großer menschlicher und technischer Gewinn, denn es kamen leistungswillige, oft hoch spezialisierte und mit neuen, jedenfalls anderen Techniken sowie bisher unbekannten Produkten vertraute Menschen in unseren Raum. Hier ergab sich dann eine wirtschaftliche Symbiose aus Alt und Neu mit der Folge, dass kölnische Produkte entstanden, wie der Wirtschaftshistoriker Prof. Bruno Kuske schreibt.

 

Auszüge eines Vortrags von Herwig Nowak

vor der Deutsch-Französischen Gesellschaft Köln e. V. am 01.02.2005